§ 138 - Schulentwicklungsplan Gemeinschaftsschule; hier: Zwischenbericht durch die Schulleiter (öffentlich)

Aus Ratsinformationssytem Schwäbisch Hall
Version vom 31. Juli 2012, 13:02 Uhr von Kitterer (Diskussion | Beiträge)
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Sachvortrag:

Erste Bürgermeisterin Wilhelm führt in das Thema ein und berichtet von der Einrichtung einer Expertengruppe, Durchführung von Hospitationen sowie von einer öffentlichen Veranstaltung zur Gemeinschaftsschule, welche mit ca. 130 Teilnehmenden sehr gut besucht war. Teilgenommen haben Frau Kluger von der Stabstelle Gemeinschaftsschule des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg wie Herr Wagner-Uhl von der Gemeinschaftsschule Neuenstein. Die Veranstaltung wurde offen durchgeführt und es konnten Fragen gestellt werden. Momentaner Stand ist, dass in Schwäbisch Hall zum Oktober 2012 kein Antrag zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule gestellt wird, da das Anmeldedatum vorgezogen wurde und die Konzeption daher noch nicht fertig erarbeitet ist.

Schulleiter Käßmann (Realschule Schenkensee) berichtet von einer Versuchsschule in Tübingen, die die Gemeinschaftsschule schon seit vier Jahren praktiziert. Es wird auf verschiedenen Niveaus unterrichtet, in unmittelbarer Nähe befindet sich ein Gymnasium mit einem G8-Zug. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass wissenschaftliche Begleitung von außen und Deputatszuschläge unerlässlich sind. Die Anforderungen an das Lehrpersonal sind enorm.

Schulleiter Kuhn (Leonhard-Kern-Realschule) berichtet, dass er mit allen Beteiligten (Gesamtlehrerkonferenz, Elternbeirat, Schülerrat) das Thema diskutiert hat. Damals ergab sich das einheitliches Bild, bis zum Vorliegen der Anmeldezahlen des kommenden Schuljahrs mit der Entscheidung zu warten. Diese Zahlen liegen nun vor: Die Schülerzahlen haben sich um 30 % erhöht. Schulleiter Kuhn geht davon aus, dass sich unter den 125 Anmeldungen einige Jugendliche mit Hauptschulempfehlung befinden. Dies hat zur Konsequenz, dass die Kinder der Gemeinschaftsschule bereits vorhanden sind, die zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule nötigen Ressourcen jedoch noch fehlen.

In einem weiteren Schritt hat er sich ein Meinungsbild an der Schule eingeholt: Die Schülerinnen und Schüler waren mehrheitlich gegen die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule, der Elternbeirat mehrheitlich dafür und bei dem Lehrerkollegium gab es 15 Ja-Stimmen, 16 Nein-Stimmen und 13 Enthaltungen. Für Schulleiter Kuhn liegt somit eine Patt-Situation vor. Er hat sich entschlossen, die Abstimmung über die Gemeinschaftsschule in der Schulkonferenz vor den Sommerferien abzusetzen. In dieser Schulkonferenz wird er dem Kollegium den Vorschlag unterbreiten, im September einen Pädagogischen Tag mit genaueren Informationen durchzuführen und in der ersten Schulkonferenz nach den Sommerferien darüber abstimmen zu lassen.

Schulleiter Ristl (Werkrealschule Schenkensee) berichtet, dass an seiner früheren Schule in Mulfingen die Gemeinschaftsschule bereits eingerichtet war und er dem Kollegium aus Schwäbisch Hall diese Schule vorgestellt hat. Das Meinungsbild an seiner Schule sowohl von den Eltern als auch vom Kollegium hat ihm eine Bereitschaft zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule signalisiert. Ein erstes Konzept wurde entwickelt und auch gewisse Eckpunkte stehen bereits. Er möchte im nächsten Schuljahr in Klasse 5 mit der Gemeinschaftsschule beginnen und sein Konzept weiterentwickeln.

Schulleiter Lang (Thomas-Schweicker-Werkrealschule) berichtet ebenfalls von Gesprächen im Kollegium, mit den Eltern und den Schülerinnen und Schülern. Das Kollegium hat sich mit 33 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen deutlich für die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule ausgesprochen. Am 11. Juli wird der Elternbeirat und am 23. Juli die Schulkonferenz darüber abstimmen. Er geht davon aus, dass sich eine Mehrheit für die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule findet und dass diese gemeinsam mit der Leonhard-Kern-Realschule umgesetzt wird. An seiner Schule sind einige Voraussetzungen einer Gemeinschaftsschule bereits erfüllt (Montessori-Zug). Seiner Einschätzung nach besteht die größte Unsicherheit darin, wie der individuelle Unterricht aussehen soll. Er hat festgestellt, dass der Rahmen der Gemeinschaftsschule überall gleich ist - nur ein Teil des Unterrichts ist individuell, darüber hinaus gibt es einen Wahl-/Pfichtteil und Fachunterricht in Kursen. Seine Schule befindet sich in der Warteposition da er eine gemeinsame Umsetzung zusammen mit der Leonhard-Kern-Realschule wünscht.

Oberbürgermeister Pelgrim stellt nachfolgend sein Meinungsbild dar:
Nach den Entscheidungen des Landes für ein G8-Gymnasium und dem Verzicht auf eine verbindliche Schulempfehlung hat sich das Spektrum der Realschule erheblich erweitert - diese Anforderungen entsprechen dem bisherigen Konzept der Realschule nicht mehr.
Die bereit gestellten Ressourcen entsprechen nicht der neuen Aufgabenstellung. Ein differenziertes, schülergerechtes Angebot ist nicht leistbar. Schwäbisch Hall hat das Glück, dass die Schulen gebündelt in Schulzentren gebaut wurden und somit eine ideale Konstellation einer Kooperation bereits vorliegt.
Für die Gemeinschaftsschule wünscht er sich einen gymnasialen Aufsetzer neben dem klassischen G8, so dass sich später entwickelnde Schülerinnen und Schüler die Möglichkeiten haben, einen gymnasialen Abschluss zu erwerben. Wird nur die Werkrealschule in eine Gesamtschule umgewandelt, fehlen hierfür die Schülerinnen und Schüler. Zugunsten eines Aufsetzers möchte Oberbürgermeister Pelgrim ein gemeinsames Konzept von Realschule und Werkrealschule. Für ihn hat die Qualität der Ausarbeitung des Konzepts mehr Gewicht, als die Schnelligkeit in der Antragsstellung. Er möchte, dass die Zeit, bis zur nächsten Antragstellung im Jahr 2013, für konzeptionelle Ausarbeitungen genutzt wird.

Stadtrat Huppenbauer interpretiert die gut besuchte Veranstaltung als deutliches Signal für die Gemeinschaftsschulen in Schwäbisch Hall. Ein Wehrmutstropfen ist für ihn, dass die Gymnasien sich gar nicht beteiligen. Mit dem Aufsetzer an den Gemeinschaftsschulen ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass sich auch in diesem Punkt Bewegung einstellt. S. E. ist die Angst vor Heterogenität unbegründet, da diese auch Chancen birgt.

Stadträtin Striebel weist auf das breite Angebot gymnasialer Einrichtungen - insbesondere der beruflichen Gymnasien, die bereits vorhanden sind - hin. Mit einer neuen Möglichkeit des gymnasialen Aufsetzers in der Gemeinschaftsschule befürchtet sie, dass eine bereits vorhandene Schule in ihrer Existenz bedroht werden könnte.

Schulleiter Käßmann weist darauf hin, dass für einen gymnasialen Aufsetzer mindestens 60 Schülerinnen und Schüler notwendig sind.

Schulleiter Kuhn hält einen gymnasialen Aufsetzer für immens wichtig, da sonst Schülerinnen und Schüler mit Gymnasialempfehlung in der Realschule fehlen. Für ihn ist ein breites Spektrum erforderlich um Qualitätsverlust vorzubeugen.

Stadträtin Härterich sieht durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung große Veränderungen in der Schullandschaft auf die Gesellschaft zukommen. Sie befürchtet, dass nach Einrichtung eines gymnasialen Aufsetzers, nicht beide G8-Gymnasien zu halten sind.

Zu diesem Thema weist Oberbürgermeister Pelgrim darauf hin, dass die Gymnasien teilweise zehnzügig sind - der Wegfall von zwei Zügen wäre daher zu verschmerzen.

Stadträtin Schmalzriedt hat Bedenken, ob die Umsetzung einer Gemeinschaftsschule gelingt, wenn aus dem Kollegium 16 Lehrerinnen und Lehrer gegen die Einrichtung einer solchen Schule gestimmt haben.

Schulleiter Kuhn sieht gute Chancen, von denen, die dagegen gestimmt haben, noch einige überzeugen zu können. Er sieht die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule als Notwendigkeit Schülerinnen und Schülern ein breites Spektrum zu bieten. Bisher waren in allen Realschulklassen 1/3 bis ½ der Schülerinnen und Schüler mit einer Gymnasialem­pfehlung. Bei Einrichtung einer Gemeinschaftsschule kommt das Spektrum der Hauptschülerinnen und -schüler noch hinzu. Um für alle vernünftigen Unterricht zu gestalten, ist eine Differenzierung unerlässlich. Um diese Differenzierungsstunden leisten zu können ist ein Antrag für eine Gemeinschaftsschule unerlässlich, da in diesem Fall 27 Deputatsstunden mehr anerkannt würden - dies würde bedeuten, dass er für seine Schule eine zusätzliche Lehrkraft erhält.

Oberbürgermeister Pelgrim schließt die Diskussion. Nach den Abstimmungen in den Schulen wird im Gemeinderat darüber berichtet, ob es nun zu einem Antrag zur Einrichtung einer Gemeinschaftsschule kommt.

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