§ 2 - Wärmedämmungsmaßnahmen an städtischen Gebäuden (öffentlich)

Aus Ratsinformationssytem Schwäbisch Hall
Version vom 7. Mai 2010, 10:14 Uhr von Ingres (Diskussion | Beiträge)
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Sachvortrag:


Bei den Haushaltsplanberatungen 2006/ 2007 wurde dem Antrag auf Einstellung eines Planansatzes von 500.000 € für Wärmedämmmaßnahmen an städtischen Gebäuden zugestimmt.

Die Bauverwaltung hatte in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass neben den notwendigsten Bauunterhaltungsmaßnahmen dringender Handlungsbedarf hinsichtlich der Wärmedämmung des überwiegend älteren Immobilienbestandes vorhanden ist.

Weiterhin führen Vorschriften wie z. B. die Energieeinsparverordnung (EnEV) bei Instandhaltungsmaßnahmen an der Gebäudehülle zu erhöhten Anforderungen an die Dämmung von Dächern, Wänden, Fenstern und Türen. Im Energiebericht 2004 wurde eindrücklich auf diese Problematik hingewiesen. Bei der Aussprache über die Anträge wurde ebenfalls deutlich, dass es nicht sinnvoll ist, einen entsprechend größeren Haushaltsansatz nach dem "Gießkannenprinzip" über viele städtische Gebäude zu verteilen. Vielmehr werden die Mittel da am wirtschaftlichsten eingesetzt, wo Immobilien einen hohen Energieverbrauch aufweisen und gleichzeitig Reparaturen an der Gebäudehülle anstehen.

Die Bauverwaltung hat unter dieser Maßgabe gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Mack aus Schwäbisch Hall Modellrechnungen für in Frage kommende Gebäude durchgeführt. Neben dem großen Energieverbrauch des Schulzentrum West einschließlich der Hagenbachhallen -hierfür wurde eigens ein Gesamtsanierungskonzept auf den Weg gebracht - ist vor allen Dingen erhöhter Verbrauch in den Turnhallen der Grundschulen und einigen Kindergärten festzustellen. Diese Gebäude wurden in der überwiegenden Mehrheit in den späten 60er bzw. 70er Jahren erstellt und weisen zum großen Teil noch Bauelemente mit geringer Wärmedämmwirkung auf.

Um dem Gemeinderat eine klare Entscheidungsgrundlage vorzulegen, wurden umfangreiche Rechenmodelle angestellt, die eine Verbrauchsreduzierung durch verschiedene Energiesparmaßnahmen simulieren. Die Ermittlung der benötigten Energiemengen wurde mit einem dynamischen Simulationsprogramm (Helios - PC) durchgeführt, das an der Hochschule Rapperswil, einem der weltweit führenden Institute für Solarforschung, entwickelt wurde. Dieses Rechenmodell verwendet die Energiebilanzmethode, wobei die Berechnung von Speichervorgängen in den Bauteilen in Stundenschritten durchgeführt wird.

Berücksichtigt wird unter anderem:

  1. direkte Sonnenenergiegewinnung durch Fenster
  2. einstrahlungsabhängige Beschattung der Fenster
  3. indirekte Sonnenenergiegewinnung durch Wärmeleitung in massiven Bauteilen
  4. Lüftungswärmeverluste
  5. interne Wärmequellen mit Nutzerprofil (Anzahl der Personen, Nutzungszeiten, Beleuchtung, etc.)
  6. alle vorhandenen Speichermassen und Baustoffe.

Allgemeine Vorgaben zu den Kostenermittlungen: Um einen aussagekräftigen Vergleich der verschiedenen Varianten zu erhalten, wurden die Gesamtjahreskosten, die sowohl die Investitions- als auch die Betriebskosten enthalten, ermittelt. Hierfür ist die Annuitätenmethode angewendet worden, wobei die Investitionskosten unter Berücksichtigung von Zins und Zinseszins in gleiche Jahresbeträge aufgeteilt wurden. Die Gesamtjahreskosten erhält man, indem die Jahresbetriebskosten hinzu addiert werden.

Der Zinssatz wurde mit 5 % als konstant vorgegeben, wobei jede Investition, unabhängig von der Nutzungsdauer der Maßnahme, in 15 Jahren getilgt sein sollte. Die Teuerungsrate der Energieträger wurde mit 3 % jährlich als Minimum und 8 % jährlich als Maximum zu Grunde gelegt. Die sonstige Teuerung (Wartung) wurde mit jährlich 2 % berücksichtigt.

Durch die Berücksichtigung zweier Teuerungsraten für die Energiekosten soll das zu erwartende Spektrum der künftigen Energiepreisentwicklung abgeschätzt werden. Alle Maßnahmen wurden mit einer Nutzungsdauer von 30 Jahren berechnet. Dieser Zeitraum kann für die eingesetzten Materialien wie beispielsweise Dach- und Außenwanddämmung sowie Verglasung an den Außenbauteilen der Gebäude als durchschnittliche Nutzungsdauer bis zur nächsten erforderlichen Renovierungsmaßnahme angesetzt werden. Die zu tätigenden Investitionskosten wurden von der Bauverwaltung anhand von Vergleichsobjekten geschätzt.

Bei den einzelnen untersuchten Objekten wurden verschiedene Vorhaben als Einzelmaßnahmen oder als Maßnahmenbündel untersucht und durchgerechnet. Bei den insgesamt sechs untersuchten Gebäuden wurden die jeweils günstigsten Varianten ausgewählt. Am Beispiel der Berechnungen für die Max-Kade-Turnhalle (siehe Anlage) wird ausführlich erläutert, welche Einsparpotenziale je nach Wahl der getroffenen Maßnahmen erwartet werden können und welche Investitionskosten jeweils gegengerechnet werden müssen. Die angewendete Berechnung der Gesamtjahreskosten als aussagefähige Vergleichsmethode kann an diesem Beispiel nachvollzogen werden.


Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über diejenigen Projekte, die entsprechend den vorgenannten Grundsätzen das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweisen. Die berechneten Energieeinsparpotentiale sind hierbei mit Prozentsätzen von 37 % bis 84 % sehr beträchtlich, so dass auch eine erhebliche Umweltentlastung unterstellt werden darf:

Nr.GebäudeVariante- Nr.MaßnahmenEnergie- Einspar- ­potentialInvestitions- kostenanteil für die Ener­gieeinspar- maßnahmen (ohne Beseitigung des Reparaturanstaus) brutto
1Kindergarten Gottwollshausen (Fertigteil-Konstruktion)46 cm zusätzliche Dachdämmung (305 m²). Neue 2-fach Verglasung (90 m²). Eckverbinder an Außenwänden abdichten und ausschäumen.ca.37 %27.000 €
2Kindergarten Hagenbacher Ring (Fertigteil-Konstruktion)4Dachdämmung (670 m²). Eckverbindungen in der Außenwand dämmen. Neue 2-fach Verglasung austauschen (20 m²)ca. 37 %49.500 €
3Turnhalle Langer Graben7Zusätzliche Dachdämmung 10 cm (400 m²). Außenwanddämmung (400 m²). Neue Verglasung der Fenster.ca. 60 %66.000 €
4Turnhalle Max-Kade, Steinbach7Neue 2-fach Verglasung (130 m²). Zusätzliche Dachdämmung 10 cm (710 m²). Außenwanddämmung 12 cm (530 m²). Neue Gerätetechnik für Lüftung und Heizung).ca. 84 %119.000 €
5Turnhalle Tüngental6Zusätzliche Dachdämmung 6 cm (690 m²). Neue 2-fach Verglasung (280 m²). Außenwanddämmung 490 m²). Neuer Kessel und neue Technik für Lüftung und Heizung, anteilig für die Halle.ca. 52 %113.500 €
6Turnhalle Sulzdorf4Außenwanddämmung (480 m²). Glasaustausch mit U = 1,2 W/m2 K (230 m²).ca. 48 %75.000 €
Baukosten 450.000 €
Baunebenkostenca. 5 %22.500 €
Gesamtbaukosten472.500 €

Derzeit wird von der Bauverwaltung geprüft, inwieweit für die einzelnen Maßnahmen Mittel aus aktuellen Förderprogrammen zur Verfügung stehen.

In einer Gesamtübersicht sind die unterschiedlichen Amortisationszeiten der favorisierten Investitionsmaßnahmen dargestellt. Hierbei wird deutlich, dass je nach Ansatz der zu erwartenden Energiekosten von einerseits 3 % und andererseits 8 % Teuerungsrate für die Energiekosten gravierende Unterschiede bei den Amortisationszeiten entstehen. Nach den Angaben des statistischen Bundesamtes stiegen die Energiepreise für Gas von Januar 2000 bis Januar 2006 um ca. 45 % und für leichtes Heizöl um ca. 50 %. Allein im Zeitabschnitt Januar 2004 bis Januar 2006 stiegen die Preise für leichtes Heizöl um über 40 %. Die Teuerungsrate von 3 % ist die Mindestrate der letzten zwanzig Jahre. Die Bauverwaltung geht derzeit davon aus, dass die Energiekosten sich eher in Richtung 8 % Teuerungsrate weiterentwickeln werden.

Obwohl die Energieeinsparungen bei Wärmedämmmaßnahmen an Gebäuden im Vergleich zu Änderungen an der Mess- und Regeltechnik vergleichsweise lange Amortisationszeiten aufweisen, wird anhand der Gegenüberstellung schnell deutlich, dass bei einer angenommen Teuerungsrate von 8 % sämtliche gewählte Energieeinsparmaßnahmen unter 10 Jahren teilweise sogar unter 5 Jahren liegen.


Ingenieur Mack erläutert seine Berechnung des Jahresenergieverbrauchs am Beispiel der Max-Kade-Halle in Steinbach.

Es findet eine kurze Aussprache hierzu statt, wobei die angenommene Strompreissteigerung von 8 % jährlich in den nächsten 30 Jahren als zu hoch gegriffen angesehen wird, da rd. 5 % realistischer erscheinen.

Auf entsprechende Frage von Stadtrat Baumann bestätigt Oberbürgermeister Pelgrim, dass die vorgesehenen Maßnahmen nicht zu über- oder außerplanmäßigen Kosten führen werden.

B e s c h l u s s: - Empfehlung an den Gemeinderat -

Die vorgestellten Ergebnisse der Modellrechnung werden zustimmend zur Kenntnis genommen. Die Bauverwaltung wird beauftragt, die jeweils ermittelten Maßnahmen zur nachhaltigen Energieeinsparung auszuschreiben und die Aufträge im Rahmen der jeweiligen Verfügungsgrenzen zu vergeben. (einstimmig - 18 -)

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