TOP 6 - Information zum Status Kulturdenkmal, zu Sanierungsmaßnahmen und zur gestalterischen Konzeption an der KZ-Gedenkstätte Hessental (öffentlich)

Aus Ratsinformationssytem Schwäbisch Hall
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Sitzungsvorlagen-Nummer: 302/19

Sachvortrag:

Die KZ-Gedenkstätte wurde auf Grundlage einer durch den Verein "Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V." vorgelegten Konzeption gemeinsam mit dem damaligen Stadtplanungsamt Schwäbisch Hall gestaltet und am 5. April 2001 eingeweiht. Die Gedenkstätte nordöstlich des Bahnhofes Hessental besteht aus den durch Einschotterung markierten Grundrissen der Lagerbaracken mit Informationstafeln, einem Stelenfeld mit Namen von Häftlingen sowie einem originalen Reichsbahnwaggon der Art, die für den Transport von KZ-Häftlingen eingesetzt wurde. In ihm befindet sich eine Dokumentation über den Hessentaler Todesmarsch sowie weitere Todesmärsche in der Region. Träger der Gedenkstätte ist der Verein "Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V.", der regelmäßig seit der Einweihung Führungen über das Gelände durchführt.

Die Gedenkstätte ist Teil des ehemaligen KZ-Komplexes Natzweiler im Elsaß und wurde 2018 mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel werden Stätten ausgezeichnet, die einen bedeutenden europäischen symbolischen Wert haben und die gemeinsame Geschichte Europas, den Aufbau der Europäischen Union (EU) sowie die europäischen Werte und die Menschenrechte hervorheben, welche das Fundament der europäischen Integration bilden.

Das Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen hat die KZ-Gedenkstätte in Schwäbisch Hall-Hessental am 25.01.2019 zum Kulturdenkmal gemäß §2 Denkmalschutzgesetz (DschG) erhoben (siehe Anlage 2).

Der Erhebung vorausgegangen ist eine Prospektion des ursprünglichen Lagergeländes durch das Landesamt für Denkmalpflege mit Hilfe von Georadar im Jahr 2018. Ergebnis dieser Untersuchung ist die Erkenntnis, dass die schmalen dort erfassten Lineamente als Teile der im Untergrund vorhandenen Streifenfundamente der Lagerbaracken zu betrachten sind. Die Interpretation dieser Messwerte hat jedoch nur hypothetischen Charakter und müssten durch weitere Feldforschungen wie Geoelektrik und kleinere Grabungen verfestigt werden. (siehe Anlage 3). Aktuell sind jedoch vom Landesamt für Denkmalpflege keine weiteren Maßnahmen geplant.

Die ursprüngliche gestalterische Konzeption der KZ-Gedenkstätte markierte die Lage und Größe der ehemaligen Baracken durch flächig aufgebrachten roten Ziegelsplitt. Nur mühsam konnte durch den unermüdlichen Einsatz der Initiative diese Markierung von Gehölz- und Wildkrautanflug notdürftig freigehalten werden.

Im Zuge einer jetzt anstehenden Sanierung des Geländes schlägt die Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V. vor, als Reminiszens die Barackenstandorte durch sich vertikal abhebende, aufgelockerte und ruinös wirkende Einfassungen besser anzudeuten. Gemeinsam mit der Firma Rieker Holzbau entwickelt daraufhin die Abteilung Stadtplanung Holzeinbauten, die den Detailmassen der im Freilandmuseum Wackershofen im Jahr 2017 wieder errichteten Holzbaracke aus dem zweiten Weltkrieg entsprechen. Da diese RAD Holzbaracke vom Karl-Kurz-Areal in Hessental unweit der KZ-Gedenkstätte stammt kann hier von einer ähnlichen Bauart ausgegangen werden. Aufgrund der Denkmaleigenschaft des Geländes soll der Einbau sehr geländeschonend und nur mit Handschachtung erfolgen.

Innerhalb der genannten Einfassungen sollen die anfliegenden Wildkräuter jetzt bewusst aufwachsen, der Blütenflor Insekten zur Verfügung stehen können und erst ab Mitte Juli (drei Wochen nach Johanni), und zur Vegetationsruhe im Winter eines jeden Jahres gemäht werden. Gehölzanflug wird nicht geduldet und umgehend gerodet. Die restlichen Grünflächen werden als Trittrasen 4 x jährlich gemäht. (siehe Anlage 4). Diese neue Pflegekonzeption wurde intensiv mit der Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental e.V. diskutiert und vereinbart. Die entstehende Dynamik zwischen starrer Grünflächenpflege in dem formalen Grundraster und dem unkontrollierten Wildkrautanflug auf den Barackenflächen ist gemeinsam mit den Holzeinbauten die wesentliche Änderung der ursprünglichen gestalterischen Konzeption.

Der auf dem Gelände aufgewachsene Ahornbaum wird als Schattenspender bei Veranstaltungen als einziges Gehölz dauerhaft erhalten.

Für die beschriebenen Sanierungsarbeiten inclusive der Aufarbeitung des Wegenetzes stehen im Doppelhaushalt 2018/2019 auf der Maßnahme 18036 40.000€ zur Verfügung.

Die laufende Unterhaltung des Geländes wie Grünpflege und die Erhaltung des Stelenfeldes übernimmt die Stadt. Die notwendigen Haushaltsmittel hierfür stehen im Ergebnishaushalt zur Verfügung.

Anlage 1: Übersichtsplan
Anlage 2: Begründung der Denkmaleigenschaft des Konzentrationslagers Hessental
Anlage 3: Bericht zur Archäologisch-geophysikalische Prospektion auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Hessental
Anlage 4: Gestaltungs- und Pflegeplan der KZ-Gedenkstätte Hessental
Anlage 5: Skizze zu vorgesehenen Einbauten der Firma Rieker Holzbau

 

Beschlussfassung:

  1. Die Ausweisung der KZ-Gedenkstätte in Hessental als Kulturdenkmal und die geänderte gestalterische Konzeption werden zur Kenntnis genommen.

  2. Die vorhandenen Finanzmittel von 40.000€ werden für die beschriebene Sanierung bereitgestellt.

  3. Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit der Firma Rieker Holzbau in Abstimmung mit der Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental im genannten finanziellen Rahmen die Einbauten zu fertigen und aufzustellen.

  1. Die notwendigen Haushaltsmittel in Höhe von jährlich 5.000€ für die laufende Pflege der KZ-Gedenkstätte in Hessental zur Durchführung des beschriebenen Pflegekonzeptes sind bei der Aufstellung des Doppelhaushalts 2020/21 berücksichtigt.

        (einstimmig - 31)

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